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Nov 19

Unterschätzter Werkstoff: Mineralputz statt Tapete

Jahrelang waren Putze im Innenbereich von Häusern kaum anzutreffen weil völlig unmodern. In einer Zeit, in der ökologische und raumathmosphärische Aspekte bei der Wohnraumgestaltung eine ebenso große Rolle spielen wie die Ästhetik, erfahren sie nun eine Renaissance, denn gegenüber Tapeten haben Putze eine ganze Reihe von Vorteilen.

Als Putze werden glatte, fein- oder grobkörnige Mineralmixe bezeichnet, die man in Form von Paste oder Pulver kaufen kann, mit Wasser anrührt, ein- oder mehrlagig auf die Wand aufbringt, strukturiert und austrocknen lässt. Putze bestehen zumeist aus Wasser und Sand und mineralischen oder nichtmineralischen Bindemitteln (Kalk, Lehm, Gips, Zement etc.), die die verschiedenen Eigenschaften des Putzes bestimmen. Zusätzlich können z.B. Strukturelemente oder Farbpigmente für farbige Wände im Putzgemisch enthalten sein.

Zu den größten Vorteilen von Mineralputzen gehört, dass die enthaltenen Mineralien (Kalk, Gips, Lehm) biologisch völlig unbedenkliche, nachhaltige Ressourcen sind. Putze enthalten keine Lösungsmittel oder Konservierungsstoffe. Mineralputze sind atmungsaktiv und beständig gegen Feuchtigkeit und sehr gut zur Wärmedämmung geeignet. Sie sind zudem schmutzabweisend und enthalten keine Giftstoffe, die in die Raumluft diffundieren könnten. Sie sind jederzeit unkompliziert zu renovieren, allerdings: anders als Tapeten sind Putze zumeist nicht ohne Weiteres wieder vollständig zu entfernen.
Zu den Werkstoffeigenschaften kommen die kreativen Möglichkeiten, die Putz bietet: nach dem Auftragen können die Wände fast nach Belieben mit Rollen, Kellen, Schwämmen etc. strukturiert werden. Putz gibt es weiß oder in verschiedenen Farben, außerdem als glattes oder gekörntes Material. Körniger Putz lässt Wände dreidimensional wirken und gibt ihnen optische Tiefe.
Und: Das Auftragen von Putz erfordert zwar ein bißchen Übung, ist aber nicht mehr automatisch ein Fall für die Fachfirma. Man kann Kellen oder Rollen wie beim Streichen von Farbe verwenden, je nach Material. Da der Werkstoff schnell austrocknet, ist das Verputzen von Wänden i.d.R. sehr viel schneller erledigt als Tapezieren, was gerade dann, wenn man bei der Inneneinrichtung eines Neubaus in Zeitnot gerät, ein Argument sein kann.

Dies sind die gängigsten Putzarten für Innenwände:
Gipsputz: geeignet für normale feuchte Räume, aber nicht für das Bad. Gips ist feinkörnig und glatt und lässt sich gut verarbeiten – allerdings muss die Verarbeitung flott geschehen, weil Gips sehr schnell bindet. Geeignet z.B. als Untergrund für Dekorputze, Farbanstriche etc. Schleift man die verputzte Oberfläche ab, wirkt sie glatt und glänzend. Gips ist schwer entflammbar, atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und schafft ein warmes, reizarmes Raumklima.
Kalkputze: Die positiven Eigenschaften, die Kalk früher zum Standardputz in Viehställen machte, können auch für heutige Wohnbereiche nutzbar gemacht werden. Kalk kann Feuchtigkeit binden und ist daher geeignet, um das Raumklima zu regulieren und zu verbessern. Außerdem wirkt Kalk desinfizierend und hemmt Schimmel- und Algenbildung. Weil Kalk antistatisch ist, findet sich in kalkverputzten Räumen weniger Hausstaub in der Luft. Kalk ist jedoch deutlich teurer als Gips.
Kalk-Zementputze: Sie werden v.a. in Feucht- und Nassräumen verwendet, da sie die Eigenschaften von Kalk mit einer höheren Festigkeit verbinden. Kalk-Zementputz ist robust und langlebig.
Lehmputz: Lehmputz ist die „edle“ Wahl unter den Putzen. Er enthält gereinigte, gemahlene Erde, etwa Tonmehl oder Marmorsand; zugesetzt werden können Dekorstoffe wie Strohhalme oder Perlmutt. Sie sind wegen ihrer natürlichen Ästhetik und wegen der vielen kreativen Gestltungsmöglichkeiten gerade zur Verschönerung von Wohnbereichen sehr gefragt – allerdings auch deutlich kostenintensiver als andere Putzarten. Lehm wirkt wärme- und schalldämmend, ist atmungsaktiv und unbrennbar und filtert Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft, er ist daher erste Wahl für Allergiker. Lehmputz bleibt auch nach der Verarbeitung wasserlöslich.
Lehm-Gipsputze: Sie verbinden die Vorteile beider Putzarten: Das Raumklima ist besser als bei reinem Gipsputz, und der Putz ist fester als der sehr weiche und wasserlösliche reine Lehmputz.


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