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Jul 03

Krebsforscherpaar rechnet mit Impfstoff-Industrie und Politik ab

Manchmal müssen Retter ihr Scheitern eingestehen. Oft heißt es dann: „Wir haben getan, was wir tun konnten“. Ein Epidemiologe und Krebsforscher vom University of Pittsburgh Cancer Institute, sagt auf der Preisverleihung des mit 120.000 Euro dotieren Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preises in der Frankfurter Paulskirche. Der Forscher verzweifelt an der Politik und den zuweilen unbarmherzigen Gesetzen der freien Ökonomie. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Kollegin beschäftigt er sich seit den achtziger Jahren mit Tumorviren – Viren, die Krebs auslösen können.

Bei rund zwanzig Prozent der bösartigen Tumore sollen infektiöse sowie bakterielle Erreger an der Krebsentstehung ursächlich sein. Es wird in Wirklichkeit sogar viel Mehr vermutet. Das Genom sei in vielen Zellen unseres Körpers schon zur Geburt mit dem von Viren eingeschleusten Erbmaterial angefüllt. Im Laufe des Lebens kämen unzählige weitere hinzu, die durch sexuelle Kontakte, Spritzen, Transfusionen, Tröpfcheninfektionen, vermutlich sogar mit der Nahrung aufgenommen werden. Aktiviert würden sie vor allem, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Dann könne es im Einzelfall schließlich zur Entartung kommen und damit zu einer unkontrollierbaren Vermehrung von Krebszellen. Oft schwächen chronische Entzündungen die Immunabwehr, manchmal seien es genetische Zufälle. Entscheidend sei jedoch fast immer das Immunsystem des Betroffenen.

In den mehr als zwanzig Jahren ihrer Forschung hat das Forscherpaar molekularbiologisch alles vorbereitet, was medizinisch erreichbar ist, was einem deutschen Nobelpreisträger mit den entdeckten Humanen Papillomviren (HPV) gelungen war: eine Impfung gegen Krebs. Mit einem Impfstoff könnten sie nach eigener Aussage viele der betroffenen Kaposi-Patienten retten. Hiervon gibt es in Afrika besonders viele. Die Tumoren waren schon in den achtziger Jahren, auf der Haut vieler Aidspatienten mit zahlreichen roten Flecken aufgefallen. Mehr als 25 Millionen von inzwischen rund 35 Millionen Aidspatienten leben südlich der Sahara. Darunter sind besonders Männer von dem Kaposi-Sarkom, der mittlerweile häufigsten Krebsart, betroffen.

Anläßlich der Preisverleihung beklagen sich die Forscher über das „Versagen der Gesundheitsvorsorge, der Politik und der Industrie“, da gegen die Kaposi-Epidemie auch Jahrzehnte nach der Krebsviren-Entdeckung keine Lobby vorhanden sei. „Alle Vorarbeiten von Seiten der Wissenschaft sind geleistet, der Impfstoff wäre leicht zu produzieren. Der Rest ist jetzt bloß noch eine ökonomische Angelegenheit“.  Der Impfstoff gegen das HPV sei dagegen von der Industrie entwickelt worden, weil Gebärmutterhalskrebs in reichen Ländern häufig ist und durch die frühe Impfung von jungen Mädchen der Krebs praktisch von vorne herein verhindert werden kann.


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