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Mrz 07

„Wirtschaft“ als allgemeinbildendes neues Schulfach

Nach einer von einer Zeitschrift in Auftrag gegebenen Studie haben weite Teile der Bevölkerung nur geringe ökonomische Kenntnisse. Dieses Kompetenzdefizit ist besorgniserregend, denn zum einen leitet sich daraus ein mangelndes Verständnis über das aktuelle Wirtschaftssystem ab, welches ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft ist und zum anderen kann ökonomisches Wissen sehr nützlich sein, um das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten und zu bewältigen. Wer über dieses Wissen verfügt, kann beispielsweise zwischen Fixkosten und variablen Kosten unterscheiden, Kreditkosten kalkulieren und Netto- von Bruttoeinkommen unterscheiden. Auch für die Entscheidung über seine Altersvorsorge ist dieses Wissen nützlich.

So führen die geringen ökonomischen Kenntnisse breiter Teile der Bevölkerung zwar zu einem reflexartigen Ruf nach ökonomischer Bildung, etwa in Form eines Schulfachs Wirtschaft an allgemeinbildenden Schulen, doch die neoliberale Gehirnwäsche im Jugendalter, damit der Kapitalismus noch angenehmer wird, steht auch unter Kritik.

Ob es eines eigenständigen Schulfachs Wirtschaft an allgemeinbildenden Schulen bedarf, ist nicht nur hypothetischer Natur, sondern wird bereits diskutiert und beispielsweise in Baden-Württemberg schon seit dem Schuljahr 2016/17 unterrichtet. Auch in Nordrhein-Westfalen ist es wichtiger Bestandteil des Koalitionsvertrages und soll in der aktuellen Legislaturperiode umgesetzt werden. Das Fach soll allgemeinbildenden Charakter im Wirtschaftsbereich haben.

Doch umfasst Ökonomische Allgemeinbildung viel mehr als die Standardinhalte, die in volkswirtschaftlichen Einführungsvorlesungen der wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge unterrichtet werden. Zwar ist ein Verständnis zu Preisbildungsprozessen, die Funktion von Märkten, das Konzept von Alternativkosten oder Fragen von Zinspolitik wichtig, jedoch sollte Ökonomie nicht nur hierauf reduziert werden. Schließlich muss die Ökonomische Dimension auch in einen umfassenderen gesellschaftlichen Kontext eingebettet werden, gerade weil breite Teile der Bevölkerung den berechtigten Eindruck haben, die Wirtschaft habe sich von der Gesellschaft entkoppelt und spiele oft genug ihr Spiel zu Lasten anderer. Daher muss die Ökonomische Allgemeinbildung im Kern eher multi- und interdisziplinär gestaltet werden und zwingend sozial- und kulturwissenschaftliche, historische und philosophische Perspektiven beinhalten.

Zudem sollte eine ausschließlich verengte, kapitalorientierte und unternehmenszentrierte Sichtweise nicht vermittelt werden. So wird allzu oft übersehen, dass zu einer modernen Ökonomie die Rolle der sogenannten Arbeitnehmer ebenso dazugehört wie die der Konsumentinnen und Konsumenten.

Doch entsprechend hohe fachliche wie didaktische Anforderungen an das Lehrpersonal steht noch nicht zur Verfügung. Mit der Beauftragung von Berufsschullehrern in allgemeinbildende Schulen wird doch nur wieder rein ökonomisches Fachwissen vermittelt, was das Ziel einer ökonomischen Allgemeinbildung verfehlen würde. Dagegen müssten Lehrer aus sozialwissenschaftlichen Fächern wie Sozialkunde oder Politik, Geschichtswissenschaften oder der Philosophie umgedreht in Ökonomie langwierig aus- und weitergebildet werden.


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