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Jan 14

Tarifkonflikte mit Spartengewerkschaften sind intensiver

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt, dass Spartengewerkschaften bei Tarifkonflikten aggressiver vorgehen, als größere Branchengewerkschaften. Als Paradebeispiel wird die Lokführergewerkschaft GDL angeführt.

Die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft untersuchten in ihrer Studie Tarifkonflikte in Deutschland aus den vergangenen 15 Jahren. Dabei vergaben sie Punkte für die Dauer der Verhandlungen, die maximale Eskalationsstufe und die Konfliktintensität. Das arbeitgebernahe Institut konnte als Ergebnis seiner Studie zeigen, dass Spartengewerkschaften durchweg höhere Werte erreichten, als Branchengewerkschaften, die mehrere Berufsgruppen vertreten und somit aggressiver vorgehen. Gerade in Hinblick auf die kommende gesetzliche Tarifeinheit ist diese Erkenntnis für die kleinen Gewerkschaften von großer Bedeutung.

Allerdings überrascht das Ergebnis wenig. So haben viele Deutsche die Auswirkungen der Tarifkonflikte im vergangenen Jahr am eigenen Leib erfahren müssen. Neben den wiederholten Streiks der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), die zum Ausfall zahlreicher Flüge führten war vor allem die Gewerkschaft Deutscher Lockführer(GDL) gegen Jahresende in aller Munde. Mit ihrer unnachgiebigen Forderung, auch für ihre Mitglieder anderer Berufsgruppen mit der Deutschen Bahn einen Tarifvertrag aushandeln zu wollen, erreichte die GDL in der Studie den höchsten Wert bei der Konfliktintensität.

Das ist insofern nicht verwunderlich, da die Studie auch noch einen anderen Zusammenhang aufgedeckt hat. Neben der Größe der Gewerkschaft ist auch die Art des Konflikts als Faktor entscheidend. Bei Sachthemen ist demnach die Konfliktbereitschaft wesentlich geringer, als wenn es sich um Statuskonflikte handelt. Die GDL hat auf sehr aggressive Art und Weise seinen Anspruch auf uneingeschränkte Verhandlungen deutlich gemacht. Gewerkschaftsvorsitzender Weselsky nahm kein Blatt vor den Mund und ließ sich durch die zunächst unnachgiebige Haltung des Verhandlungspartners Deutsche Bahn und die harsche Kritik in der Öffentlichkeit nicht von seiner Überzeugung abbringen.

Ob diese Art des Tarifkonfliktes dem Image der Spartengewerkschaften nun zuträglich war oder nicht, sei dahingestellt. Für die Studie haben die teilweise rekordverdächtigen Streiks des letzten Jahres jedenfalls die höchsten Konfliktwerte geliefert. Den Gegner der Tarifeinheit dürften die Ergebnisse der Studie jedenfalls nicht gefallen, legt sie doch nahe, dass Branchengewerkschaften ihre Friedenspflicht wesentlich ernster nehmen und sich stärker auf das Ziel eines fairen Tarifabschlusses für beide Seiten fokussieren würden und weniger auf den Erhalt ihres Status. Nichtsdestotrotz müssen auch die großen Gewerkschaften reagieren und Präsenz zeigen, um ihre Mitglieder zu halten.

 


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