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Nov 17

Digitalisierung in der Krankenversicherung läuft sich warm

Nach Jahren ohne Neugründungen in der Versicherungswirtschaft wollen nun ein halbes Dutzend digitale Versicherer in den Wettbewerb um Kundenbeiträge eintreten. Ihre Angebote sollen stärker auf Kunden ausgerichtet und durch digitale Kommunikation und Arbeitsabläufe schneller gemacht werden. Dabei, können sie eine attraktivere Marge einstreichen als digitale Vermittler. Doch die wenigsten haben vorhergesehen, dass ausgerechnet ein digitaler Krankenversicherer die erste Bafin-Lizenz seit einem Jahrzehnt erwerben würde. Die Sparte hat keinen guten Ruf. Weil sie unter dem Niedrigzins leidet, muss sie Beiträge überdurchschnittlich anpassen. Dazu werden seit Jahren öffentlich Reformideen diskutiert, die bis hin zu einer Abschaffung reichen. Aus dem Grund haben sich viele Vertriebe wegen des schwachen Neugeschäfts abgewandt. Aus systemischen Gründen ist der Wettbewerb gering.

Ein neuer Akteur, für digitale Versicherungen, erklärt provokativ: „Alle haben zwanzig Jahre lang die Vollversicherung vernachlässigt. Durch uns gibt es einen positiven Schub.“ Die Krankenversicherer seien reserviert gegenüber Innovationen und daher wisse der Akteur, in welche Lücke man vorstoßen müsse. Digitale Services sollen dem Start-up zum Erfolg verhelfen. So soll die häufig vorhandene medizinische Überversorgung von Patienten durch Mehrfachuntersuchungen oder fehlende Informationen beim Arzt durch Digitalisierung in den Griff bekommen werden.

Doch die alten Krankenversicherer geben sie so schnell nicht geschlagen. So wünscht sich ein Altversicherer eine individuelle Gesundheitsakte, in der alle Daten des Patienten gesammelt werden. So können viele Röntgenbilder überflüssig werden. Selbst wenn nur alle zehn Jahre ein Röntgenbild gespart werde, lohne sich die Patientenakte laut dem Versicherer schon. Auch er will die automatisierte Bearbeitung von Rechnungen von derzeit 30 Prozent auf 50 Prozent bis zum kommenden Jahr ermöglichen. Dazu werde in regelbasierte Systeme, die Prüfungen der Gebührenordnung für Ärzte machen können und bewerten, ob eine Rechnungsstellung sachgerecht ist, investiert. Dazu könnten in der Zukunft mithilfe von künstlicher Intelligenz ärztliche Gutachten ausgewertet werden. Derzeit werden Zusatzangebote möglichst in digitaler Form angeboten, beispielsweise Blutzuckermessungen für Diabetiker. Auch ärztliche Zweitmeinungen könnten digital vermittelt werden. Zwar sehe der Versicherer großes Potential, das vorhandene Modell durchzudigitalisieren, doch sie glauben wegen des kleinen Marktanteils der privaten Versicherer von 10 Prozent an Kooperationen zwischen den Häusern.

Da Krankenhäuser und Ärtzestrukturen ineffizient seien, gleichzeitig aber viele Daten erhoben und gespeichert werden, könnte mit einer Verbindung dieser Daten eine signifikante Kosteneinsparung erreicht werden, wird erklärt. Dabei halten es jedoch Krankenkassen wegen ihrer Größe mehr als Versicherer für geeignet, als Spinne im Netz zu agieren.


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