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Jul 15

Befristung von Arbeitsverträgen im öffentlichen Dienst die Regel

Die Anzahl der Befristungen von Arbeitsverträgen ist derzeit so hoch wie nie. Mit 2,7 Million Beschäftigten in befristeten Arbeitsverhältnissen müssen heute 1 Million Arbeitnehmer mehr ohne Dauerarbeitsplatz auskommen, als noch vor 10 Jahren. Insbesondere der öffentliche Dienst greift laut statistischem Bundesamt mit über 70 % Befristungsquote häufig zu Zeitverträgen, wohingegen die Quote in der Industrie bei lediglich 40 % liegt.

Befristung trifft vor allem junge Arbeitnehmer

Der andauernde Trend zur Befristung betrifft vor allem Berufseinsteiger und macht ihnen den Start ins Berufsleben schwer. Insbesondere junge Akademiker an Universitäten und Hochschulen sind von der Befristung betroffen. Hier bekamen 2011 ganze 80 % der 25 bis 29 jährigen akademischen Angestellten lediglich einen Zeitvertrag. Junge Akademiker außerhalb des universitären Bereichs müssen in der öffentlichen Verwaltung zu fast 30% mit einem befristeten Arbeitsvertrag rechnen, in der Industrie sind hiervon lediglich 11 % betroffen und bei Versicherungs- und Finanzdienstleistern haben nur 7 % kein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

 

Kettenbefristung bei Arbeitsverträgen

Kettenbefristung bei Arbeitsverträgen
Bildquelle: Sascha Hübers / pixelio.de

Europäischer Gerichtshof billigt Kettenbefristung

Auch angestellte Lehrer sind von der Befristung immer häufiger betroffen. Hierdurch sollen in der Ferienzeit Personalkosten eingespart werden. Auch im Bereich der Vertretungslehrer wird kräftig gespart. Mit sogenannten Kettenarbeitsverträgen wird der Bedarf an Vertretungslehrern gedeckt. Diese Praxis wurde erst im Januar dieses Jahres vom Europäischen Gerichtshof offiziell abgesegnet. Zuvor waren Verträge bis zu zwei Mal verlängerbar und gingen über einen Zeitraum von zwei Jahren hinaus automatisch in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis über. Nun sind aufeinander folgende Befristungen auch über Jahre hinweg zulässig, wenn für jede einzelne Befristung ein sachlicher Grund vorliegt. Bei Missbrauch ohne vorliegenden Grund und unzulässiger Befristung liegt aber weiterhin ein unbefristeter Vertrag vor. In der Beweispflicht der Zulässigkeit ist in diesem Fall der Arbeitgeber.

SPD und Grüne wollen Missbrauch von Befristungen einschränken

Die immer häufigere Befristung der Arbeitsverträge schränkt laut Gewerkschaften die Rechte der Arbeitnehmer ein und umgeht diese zu Gunsten des Arbeitgebers. Auch die SPD und die Grünen sehen dies so. Im Falle eines Wahlsieges hat sich rot-grün vorgenommen, gegen den Missbrauch der Kettenbefristung ohne sachlichen Grund stärker vorzugehen und grundlose Befristungen von Arbeitsverträgen abzuschaffen. Dies wäre insbesondere für Einsteiger ins Berufsleben eine deutliche Erleichterung, denn mit der gängigen Praxis wird insbesondere der öffentliche Sektor durch die jahrelange Unsicherheit in Folge von Kettenbefristungen immer unattraktiver für junge Absolventen.

> Zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs


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